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Neue Erkenntnisse aus der Tinnitusforschung am MCNN

In einer neuen Review fassen PD Dr. Krauss und PD Dr. Schilling zehn Jahre Forschung zu einem neuen theoretischen Ansatz zum Verständnis von Tinnitus zusammen.

Zwei Männer mit Brille lächeln in die Kamera vor einem historischen Gebäude mit Rundbrunnen.

PD Dr. Schilling und PD Dr. Krauss vor der UMM.

Die Arbeit ist in der Zeitschrift Frontiers in Audiology and Otology erschienen und entstand im Umfeld des Mannheim Center of Neuromodulation and Neuroprosthetics (MCNN) der Universitätsmedizin Mannheim und der Universität Heidelberg sowie der FAU Erlangen-Nürnberg. 

Im Mittelpunkt steht die sogenannte stochastische Resonanz. Damit ist ein physikalisches Prinzip gemeint, bei dem ein bestimmtes Maß an Rauschen dabei helfen kann, sehr schwache Signale besser erkennbar zu machen. Auf das Hören übertragen bedeutet dies: Wenn akustische Signale nach einer Hörminderung nur noch abgeschwächt im Nervensystem ankommen, könnte das Gehirn das eigene neuronale Rauschen erhöhen, um die Verarbeitung dieser Signale zu verbessern.

Diese zunächst völlig neue Idee wurde 2016 von PD Dr. Patrick Krauss und Kollegen als Modell zur Entstehung von Tinnitus vorgeschlagen.

Der nun veröffentlichte Review zeigt, wie sich dieser Ansatz in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat: von einer theoretischen Hypothese über Computersimulationen und experimentelle Befunde bis hin zu ersten Therapieansätzen mit speziell angepasstem, leisem Rauschen. In diesem Modell wird Tinnitus nicht als Fehlfunktion verstanden, sondern als mögliche Nebenwirkung eines eigentlich sinnvollen Anpassungsprozesses des Gehirns. Das Nervensystem versucht, schwache Signale besser zu verarbeiten. Unter bestimmten Bedingungen kann dabei jedoch ein Phantomton entstehen, also ein Ton, der ohne äußere Schallquelle wahrgenommen wird.

Die Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie fruchtbar interdisziplinäre Forschung sein kann. Die beiden Physiker PD Dr. Patrick Krauss und PD Dr. Achim Schilling verbinden in ihrer Forschung Physik, Neurowissenschaften, Medizin, Computersimulationen und Künstliche Intelligenz. Dieser Ansatz ist auch über den Tinnitus hinaus für die Medizin interessant. Tinnitus ist ein auditorisches Phantomperzept, also eine Wahrnehmung ohne entsprechenden äußeren Reiz. Ähnliche Grundprinzipien könnten auch bei anderen Phantomwahrnehmungen eine Rolle spielen, etwa bei bestimmten Formen neuropathischer Schmerzen.  

Am MCNN werden solche Zusammenhänge zwischen Nervensystem, Wahrnehmung, Neuromodulation und moderner Technologie intensiv erforscht. Das Ziel besteht darin, grundlegende Mechanismen besser zu verstehen und daraus langfristig neue Ansätze für Diagnostik und Therapie zu entwickeln.

Mehr erfahren

  • Lesen Sie hier die Publikation. 
  • Wer sich weiter für das Thema interessiert, findet ergänzend einen Beitrag von ARD Alpha, in dem PD Dr. Achim Schilling das Modell der stochastischen Resonanz bei Tinnitus anschaulich erklärt. 

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